Gewalt bei der Arbeit erfährt immer mehr Aufmerksamkeit. Beschäftigte in öffentlichen Verwaltungen sehen sich ebenso wie Einsatz- und Rettungskräfte Gewaltsituationen ausgesetzt. Aber auch in den Bildungseinrichtungen Kita, Schule und Hochschule wird Gewalt als relevantes und belastendes Thema erlebt. Um möglichen psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen oder Traumatisierungen durch Gewaltdelikte entgegenzuwirken, unterstützt die UKBW ihre Mitgliedsbetriebe bei einem ganzheitlichen und systematischen Präventionsansatz.

Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet Arbeitgebende für die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit zu sorgen. Ein systematisches Vorgehen mit Hilfe der gesetzlich verankerten Gefährdungsbeurteilung erleichtert die Suche nach passenden Präventionsmaßnahmen. Zu einem ganzheitlichen Ansatz gehört auch, Nachsorgeangebote für den Ernstfall vorzuhalten.

Die International Labour Organization (ILO) definiert „Gewalt und Belästigung“ als „eine Bandbreite von inakzeptablen Verhaltensweisen und Praktiken oder deren Androhung, gleich ob es sich um ein einmaliges oder wiederholtes Vorkommnis handelt, die darauf abzielen, zur Folge haben oder wahrscheinlich zur Folge haben, physischen, psychischen, sexuellen oder wirtschaftlichen Schaden zu verursachen und umfasst auch geschlechtsspezifische Gewalt und Belästigung“
(Internationale Arbeitskonferenz: Vorläufiger Verhandlungsbericht 7A, 108. Tagung Genf, Juni 2019).

Dabei kann unterschieden werden in Gewalt und Belästigung

  • durch Dritte – nicht betriebszugehörige Personenwie beispielsweise Bürgerinnen und Bürger, Kundinnen und Kunden oder Patientinnen und Patienten sowie

  • innerhalb der Belegschaft, des Kollegiums oder unter Schülerinnen und Schülern bzw. Studierenden.

Die Auswirkungen von Gewalt und Belästigung können für die Betroffenen sehr unterschiedlich sein – abhängig von ihrem Umfeld, ihrer Persönlichkeit und ihren Bewältigungsstrategien. Diese können sich im sozial, beruflich und privat zeigen. Neben körperlichen Verletzungen leiden Betroffene häufig an massiven psychischen Gesundheitsbeeinträchtigungen. Im ungünstigsten Fall können sich die Beschwerden zu einer Depression, Angststörung oder Posttraumatischen Belastungsstörung verfestigen.

Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet Unternehmensleitungen, Beschäftigte vor Gewalt und Belästigung zu schützen. Um herauszufinden, welche Arbeitsbereiche oder Berufsgruppen von Gewalt und Belästigung bzw. traumatisierenden Ereignissen betroffen sein können, ist die Gefährdungsbeurteilung ein wesentliches Instrument. Mit einer Risikobeurteilung wird das Ausmaß im Vorfeld eingeschätzt. Mit präventiven Maßnahmen haben die Arbeitgebenden entsprechend dafür Sorge zu tragen, dass die Beschäftigten in ihrem Arbeitsumfeld nicht zu Schaden kommen. Wie bei allen anderen Gefährdungen gilt auch hier das TOP-Prinzip: Grundsätzlich haben kollektiv wirkende Interventionen zur Vermeidung von Gewaltsituationen Vorrang gegenüber individuellen Präventionsmaßnahmen.

Weitere Informationen zum Arbeitsschutz finden sich auch hier.

So unterstützt die UKBW – Erstellung eines Gesamtkonzeptes

Die UKBW-Fachexpertinnen und -experten unterstützen und beraten versicherte Einrichtungen bei der Erstellung eines Gesamtkonzepts zur Prävention von Gewalt und Belästigung, mit dem Ziel,

  • das Auftreten von Gewalt und Belästigung in der Gefährdungsbeurteilung zu verankern,

  • Sicherheit und Gesundheit in die betrieblichen bzw. schulischen Abläufe und Prozesse zu integrieren,

  • die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass sich Beschäftigte und Lernende sicher fühlen,

  • die gesunderhaltenden Ressourcen bei den Einzelnen zu stärken und ihre gesundheitlichen Verhaltenskompetenzen zu erweitern.

Unser UKBW-Handlungsleitfaden unterstützt öffentliche Einrichtungen dabei, ein ganzheitliches Konzept zur Gewaltprävention zu entwickeln. Der Leitfaden zeigt mögliche Ursachen von Gewalt auf und bietet Unternehmensleitungen Hilfestellung bei der Beurteilung der Arbeitsbedingungen sowie der Festlegung, Durchführung und Überprüfung konkreter Präventionsmaßnahmen.

Beratungswunsch?

Wünschen Sie eine Beratung zum Thema Gewaltprävention durch unsere Fachexpertinnen und -experten Sicherheit und Gesundheit oder haben Sie weitere Fragen? Dann wenden Sie sich an das Kundenkommunikationscenter unter 0711 9321-0 oder schreiben Sie uns.

Unsere Angebote für Sie!

Ausbildung von innerbetrieblichen Deeskalationstrainerinnen und -trainern
Die UKBW fördert die Ausbildung von Deeskalationstrainerinnen und -trainern in ihren Mitgliedsbetrieben. Die Ausbildung schult die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einem professionellen Umgang mit aggressiven oder herausfordernden Verhalten und unterstützt sie in einem systematischen Aufbau eines Deeskalationsmanagements. Die UKBW verfolgt mit ihrem Angebot einen Multiplikatorensansatz, indem ausgebildete Deeskalationstrainerinnen und -trainer in Inhouse-Veranstaltungen ihr Wissen an Kolleginnen und Kollegen weitergeben.
Psychotherapeutenverfahren
Die UKBW sichert nach Arbeitsunfällen (inkl. Wege- und Schulunfällen) mit körperlichen Verletzungen und/oder psychisch belastenden Ereignissen die erforderliche medizinische und psychologische Behandlung. Durch das Psychotherapeutenverfahren der UKBW erhalten Betroffene zeitnah professionelle Unterstützung und eine angemessene Nachsorge