Unfallkasse Baden-Württemberg

Gesetzlicher Unfallversicherungsschutz auf den mit der Tätigkeit zusammenhängenden unmittelbaren Wegen und Betriebswegen

Beschäftigte sind beim Zurücklegen von Wegen nach und vom Ort der Tätigkeit gesetzlich unfallversichert, sofern diese Wege mit der versicherten Tätigkeit (z. B. der im Arbeitsvertrag geregelte Tätigkeitsbereich, die Teilnahme am Betriebssport oder an betrieblichen Gemeinschafts­ver­an­stalt­ungen usw.) zusammenhängen.

Unfälle auf diesen Wegen sind gesetzlich unfallversichert, wenn das Zurücklegen des versicherten Weges ursächlich für den Unfall und dieser Unfall ursächlich für einen Gesundheitsschaden bzw. den Tod des Versicherten wurde.

Entscheidend für die Beurteilung des Versicherungsschutzes auf den Wegen, ist das sich „Fortbewegen“ auf dem direkten Weg. Die Art der Fortbewegung steht dabei jedem frei.

Innerer Zusammenhang

Der innere Zusammenhang ist gegeben, wenn die Zurücklegung des Weges der versicherten Tätigkeit bzw. nach deren Beendigung der Erreichung der Wohnung dient. Maßgeblich für die Feststellung des inneren Zusammenhangs ist die Handlungstendenz des Beschäftigten, d. h., ob das Zurücklegen des Weges zur versicherten Tätigkeit gehört (Weg zur oder von der Arbeitsstätte usw.).

Direkter oder unmittelbarer Weg

Der Begriff des direkten oder unmittelbaren Weges setzt nicht voraus, dass sich die Versicherten ausschließlich auf dem entfernungsmäßig kürzesten Weg von und zur Arbeitsstätte befinden.Die Wahl der Wegstrecke steht den Versicherten innerhalb gewisser Grenzen frei. Der mit der versicherten Tätigkeit zusammenhängende Weg muss daher nicht unbedingt der kürzeste Weg sein. Als unmittelbarer Weg gilt vielmehr auch ein Weg, der zwar etwas länger, aber verkehrsgünstiger und damit risikoärmer ist.

Ist demnach ein eingeschlagener Weg nach und von dem Ort der Tätigkeit insbesondere weniger zeitaufwendig, sicherer, übersichtlicher, besser ausgebaut oder kostengünstiger als der erfahrungsgemäß kürzeste Weg, steht auch dieser längere Weg unter Versicherungsschutz.

Fahrgemeinschaft & Kinder in fremde Obhut bringen/abholen

Versichert sind weiterhin Wege, die im Rahmen einer Fahrgemeinschaft zurückgelegt werden, selbst wenn hierbei vom direkten Weg abgewichen wird. Dies gilt auch für Wege, die der Versicherte zurücklegt, um ein in seinem Haushalt lebendes Kind, da er selbst berufstätig ist, in fremde Obhut (z. B. zu Großeltern, Bekannten, in den Kindergarten usw.) zu bringen und abzuholen.

Warten auf Beförderungsmittel & mehrfaches Zurücklegen des Weges

Der gesetzliche Unfallversicherungsschutz erfasst zudem das Warten auf das Beförderungsmittel so­wie mehrfache Wege von bzw. zur Arbeitsstätte, wenn diese Wege in einem inneren Zu­sam­men­hang mit der versicherten Tätigkeit stehen (z. B. Holen von Arbeitskleidung usw.).

Unterbrechnung & Abweichung des direkten/unmittelbaren Weges

Wird der Weg von oder zur versicherten Tätigkeit unterbrochen, indem ein anderer Weg eingeschoben wird, der aus eigenwirtschaftlichen Gründen vom Ziel weg oder über das Ziel hinaus führt (z.B. Erledigung eines privaten kurzfristigen Einkaufs in einer Seitenstraße), steht die Abweichung von der direkten/unmittelbaren Wegstrecke solange außerhalb des Versicherungsschutzes, bis der eigentliche Weg wieder erreicht wird.

Ein solches „Aufleben“ des Versicherungsschutzes findet nicht statt, wenn es durch die Unterbrechung des Weges zu einer Lösung von der versicherten Tätigkeit gekommen ist. Dies beurteilt sich nach der Dauer der Unterbrechung. Die zeitliche Grenze für die Lösung von der betrieblichen Tätigkeit wird bei zwei Stunden gezogen.

Dritter Ort

Sonderfälle stellen Wege zu einem so genannten „dritten Ort“ dar:

Beginnt der Hinweg oder endet der Rückweg von der versicherten Tätigkeit an einem anderen Ort als dem häuslichen Bereich, so tritt dieser andere Ort als so genannter dritter Ort an die Stelle des häuslichen Bereichs, wenn der Versicherte sich an diesem Ort eine erhebliche Dauer aufgehalten hat bzw. aufhalten will (z. B. Arzt- oder Krankenbesuch usw.)

Voraussetzung für den Versicherungsschutz bei dieser Konstellation ist, dass

  • der Weg zum dritten Ort in einem angemessenen Verhältnis zu dem üblichen Weg des Versicherten nach und von dem Ort der Tätigkeit steht und
  • der Aufenthalt am dritten Ort mindestens 2 Stunden dauern oder geplant sein muss.

Betriebswege

Wege, die zur Ausführung der versicherten Tätigkeit und in unmittelbaren Betriebsinteresse zurückgelegt werden (z. B. Wege zwischen Dienststellen, dienstlich bedingte Wege zur Post oder Bank usw.) ohne lediglich der versicherten Tätigkeit vorauszugehen oder sich ihr anzuschließen (so genannte Betriebswege), sind ebenfalls gesetzlich unfallversichert.

Kein Versicherungsschutz

Der Versicherungsschutz entfällt dagegen, wenn die Versicherten aus privaten und eigenwirtschaftlichen Gründen einen Umweg einschlagen, d. h. einen Weg, der zwar als Zielrichtung den Ort der versicherten Tätigkeit bzw. beim Rückweg den häuslichen Wirkungskreis hat, der aber erheblich länger ist als der kürzeste Weg.

Sind die genannten Voraussetzungen für das Bestehen des Versicherungsschutzes nicht erfüllt, hat bei Eintritt eines Unfalles mit Körperschaden die zuständige gesetzliche oder private Krankenversicherung die Behandlungskosten zu übernehmen.