Unfallkasse Baden-Württemberg

Prävention

In 5 Schritten zum betrieblichen Gesundheitsmanagement

Die Integration eines Gesundheitsmanagements in die betrieblichen Strukturen eines Unternehmens reduziert auf systematische Art und Weise Risiken und Belastungen und stärkt die Ressourcen der Beschäftigten. Für die Umsetzung hat sich folgender Vorgehensweise bewährt:

1. Einrichtung eines Lenkungsgremiums

Kooperation und Erfahrungsaustausch mit (externen) Fachleuten des Arbeits- und Gesundheitsschutzes sind auch hier eine notwendige Voraussetzung für innovative Problemlösungen. Es ist deshalb erstrebenswert, dass die Ansprechpartner eines Unternehmens gleichermaßen mit den internen Partnern aus dem Arbeits- und Gesundheitsschutz wie Betriebsärztlicher Dienst, Arbeitssicherheit, Personalrat und der Personalentwicklung wie auch mit externen Partnern, z. B. Unfallversicherungsträgern, Krankenkassen und der Wissenschaft zusammenarbeiten.

Unverzichtbares Element und Kopf bei der Integration eines betrieblichen Gesundheitsmanagements ist daher die Einrichtung eines Lenkungsgremiums, in welchem alle inhaltlichen und organisatorischen Fragen koordiniert werden. Es soll möglichst interdisziplinär besetzt sein, um ein breit gestreutes Wissen und genaue Kenntnisse der Arbeitsbedingungen zu erhalten.

Für ein Lenkungsgremium werden vorgeschlagen:

  • Unternehmensleitung oder deren beauftragte Vertreter
  • Personal- und Organisationsentwicklung
  • Fachkraft für Arbeitssicherheit
  • Betriebsarzt
  • Personalrat
  • Gleichstellungsbeauftragte
  • Sozial- und Suchtberater
  • Schwerbehindertenvertreter
  • Weitere ausgewählte engagierte Führungskräfte/ Mitarbeiter
  • Ggf. QM-Beauftragter
  • Vertreter von Krankenkassen
  • Vertreter der Unfallversicherungsträger

Das Lenkungsgremium hat folgende Aufgaben:

  • Instrument der Prozesssteuerung
  • Zusammenführung aller prozessrelevanten Informationen
  • Entscheidung über Umsetzung geeigneter Maßnahmen
  • Überwachung des Verlaufes der Gesundheitsförderungsaktivitäten
  • Überprüfung der Wirksamkeit im Hinblick auf festgelegte Ziel
  • verfügt über Entscheidungsbefugnis

2. Ist-Analyse

Allen Maßnahmen des betrieblichen Gesundheitsmanagements geht eine sorgfältige Analyse der Belastungen voraus. Sie liefert verlässliche Eckdaten in dem Beziehungsgefüge zwischen Arbeitszufriedenheit, Leistungsbereitschaft, Belastungs- und Beanspruchungssituation, Arbeitsumfeld und Führungsverhalten. Hierbei soll die Steuerung durch Experten und Management mit der Partizipation der Beschäftigten verbunden werden und dem Grundsatz, Analyse vor Maßnahmenplanung und Umsetzung sowie anschließender Qualitätssicherung folgen.

Methoden dafür sind z.B. eine systematische Befragung der Beschäftigten, Interviews mit betrieblichen Schlüsselpersonen, die anonymisierte Auswertung der Krankenstandsdaten, Gefährdungsanalysen etc..

Festlegung von Zielen

Basierend auf der erhobenen Ist-Situation werden gemeinsam mit den MitarbeiterInnen Verbesserungsmaßnahmen erarbeitet und geplant. Ein klassisches Instrument für eine derartige Beteiligung der MitarbeiterInnen ist z.B. der Gesundheitszirkel.

3. Maßnahmensuche

Betriebliches Gesundheitsmanagement umfasst sowohl Maßnahmen, die eine gesundheitsgerechte Arbeits- und Organisationsgestaltung  im Blickfeld haben, als auch einen gesünderen Lebensstil fördern (Verhältnis- und Verhaltensprävention). Der Prozess kann mit interner und externer Unterstützung so weiterentwickelt werden, dass Arbeits- und Gesundheitsschutz zum integralen Bestandteil des innerbetrieblichen Qualitätsmanagements und damit zum kontinuierlichen Lern- und Verbesserungsprozess iwird.

Dies kann durch eine Verknüpfung folgender Ziele erreicht werden:

  • Verbesserung der Arbeitsorganisation und der Arbeitsbedingungen
  • Förderung einer aktiven Mitarbeiterbeteiligung
  • Stärkung persönlicher Kompetenzen
  • Verbesserung der Kommunikation untereinander
  • Steigerung der Motivation
  • Optimierung der Führungsstrukturen

4. Durchführung gesundheitsfördernder Maßnahmen

Kernstück des Prozesses ist es, nach der Analyse gezielt gesundheitsförderliche Maßnahmen umzusetzen. Dabei sind alle Bereiche angesprochen, die das Wohlbefinden und die Gesundheit der Beschäftigten beeinflussen. Es können daher so unterschiedliche Aktivitäten gesetzt werden wie die Optimierung betrieblicher Abläufe und Kommunikationsstrukturen, die Einführung neuer Arbeitszeitmodelle, Seminar- und Schulungsangebote zu Lebensstilfragen, Schulung von Führungskräften zur gesundheitsförderlichen Führung, die Erarbeitung individueller Qualifizierungs- und Weiterbildungspläne etc.

5. Evaluation

Um bewerten zu können, ob die umgesetzten Maßnahmen tatsächlich zum Erfolg führen und Hinweise darauf zu bekommen, was an der Umsetzung des betrieblichen Gesundheitsmanagements im Unternehmen verbessert werden sollte, empfehlen sich begleitende Maßnahmen der Evaluation, etwa durch nochmalige Befragungen.

Orientierung an Qualitätskriterien

Wie der Prozess des betrieblichen Gesundheitsmanagements im Einzelnen gestaltet ist, hängt maßgeblich von den Voraussetzungen und dem Bedarf des jeweiligen Unternehmens ab. Es gibt nicht den einen richtigen Weg.

Betriebliches Gesundheitsmanagement kann nur erfolgreich sein, wenn es auf der betrieblichen Entscheidungsebene mitgetragen wird. Leitlinien zur Förderung einer gesundheits- und alterngerechten Arbeits- und Personalpolitik bilden den notwendigen Rahmen für konkrete Gestaltungsmaßnahmen.
Das Europäische Netzwerk für betriebliche Gesundheitsförderung (http://www.enwhp.org/) hat dazu die folgenden Qualitätskriterien entwickelt:

  • Partizipation
    Die aktive Einbindung der Beschäftigten als Experten für ihre eigene Arbeitssituation und Gesundheit ermöglicht es, auf den tatsächlichen Bedarf zu reagieren und vorhandenes Wissen zu nutzen.
  • Integration
    Betriebliches Gesundheitsmanagement sollte sich nicht auf einzelne Gesundheitsaktivitäten beschränken, sondern bei allen wichtigen Unternehmensentscheidungen berücksichtigt werden.
  • Systematische Durchführung im Sinne des Projektmanagements
    Es ist sinnvoll alle Maßnahmen und Programme systematisch durchzuführen, also zuerst den Bedarf zu erheben, Prioritäten zu setzen, Interventionen zu planen und nach der Umsetzung die Ergebnisse zu kontrollieren und zu bewerten.
  • Ganzheitlichkeit
    Veränderungen sollten immer auf die betrieblichen Verhältnisse und auf die Verhaltensweisen der Beschäftigten abzielen; es wird eine Reduktion von Belastungen und die Stärkung von Gesundheitspotenzialen angestrebt; Gesundheit wird dabei umfassend verstanden, als körperliches, psychisches und soziales Wohlbefinden.